Saubere und sichere Instrumente sind in jeder Zahnarztpraxis Pflicht. Wer dafür zuständig ist, fragt sich oft: Brauche ich einen eigenen Kurs? Und wenn ja, welchen? Die Antwort hängt davon ab, wo Sie arbeiten und welche Ausbildung Sie haben. Hier vergleichen wir Fachkunde-I-Lehrgänge und Sachkundekurse der Zahnärztekammern.
Gut zu wissen: Ausgebildete ZFA lernen die Grundlagen der Aufbereitung schon in der Ausbildung. Wenn Sie ohne Berufsabschluss in der Zahnarztpraxis arbeiten und dort bleiben möchten, bringt Sie die ZFA-Umschulung bei Care-er weiter als ein einzelner Hygienekurs. Hygiene und Medizinprodukteaufbereitung sind dort eine eigene Teilqualifizierung, und am Ende steht ein staatlich anerkannter Abschluss.
- Zielgruppe: Praxisteams in Zahnarztpraxen, Quereinsteiger, Beschäftigte in Aufbereitungseinheiten
- Themen: Aufbereitung von Medizinprodukten, Sterilisation, Hygiene
- Stand der Angaben: Oktober 2026, laut Kursseiten der Anbieter
Fachkunde oder Sachkunde: Was ist der Unterschied?
Die Fachkunde I ist ein Lehrgang nach den Richtlinien der Deutschen Gesellschaft für Sterilgutversorgung (DGSV). Er umfasst 120 Unterrichtseinheiten. Wer die Prüfung besteht, darf sich Technische Sterilisationsassistentin bzw. Technischer Sterilisationsassistent nennen. Der Lehrgang richtet sich vor allem an Menschen, die in einer Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte (AEMP) arbeiten, zum Beispiel in einem Krankenhaus.
Der Sachkundekurs ist kürzer und auf die Zahnarztpraxis zugeschnitten. Zahnärztekammern bieten ihn für Beschäftigte ohne medizinische Berufsausbildung an. Für ausgebildete ZFA gilt laut Zahnärztekammer Niedersachsen: Die nötigen Grundlagen der Aufbereitung sind bereits Teil der ZFA-Ausbildung.
Die Kurse im Vergleich
| Anbieter und Kurs | Umfang | Format und Ort | Abschluss | Kosten laut Kursseite |
|---|---|---|---|---|
| Landeszahnärztekammer Brandenburg: Sachkunde Aufbereitung (Zahnarztpraxis) | 12 Wochen Online-Selbststudium in 12 Modulen, 2 Seminartage | online, Präsenztage in Potsdam oder Cottbus, nächster freier Kurs ab 29. Januar 2027 | Zertifikat nach schriftlicher Prüfung | 445 Euro |
| Akademie im Gesundheitswesen: Fachkunde I ONLINE MIX | 120 UE | Einführungstag online, Lernen per App, letzte Woche in Präsenz, unter anderem in Warburg und Dortmund | DGSV-Zertifikat und Zeugnis | 1.490 Euro plus 45 Euro Prüfung, zzgl. MwSt. |
| Desinfektorenschule Mainz: Fachkunde I | 120 UE in 3 Wochen, zwei Blöcke | Präsenz, unter anderem in Bad Kreuznach, Erfurt, Gelsenkirchen und München | Zeugnis und DGSV-Zertifikat | 1.278 Euro plus 98 Euro Prüfung, zzgl. MwSt. |
| MMM Akademie: Fachkunde 1 | 120 UE inklusive Prüfung | Präsenz in München, Regensburg, Hamburg und Ahlen | nach DGSV-Richtlinien, schriftliche und mündlich-praktische Prüfung | ab 1.430 Euro plus 80 Euro Prüfung, zzgl. MwSt. |
| Klinikum Ludwigshafen: Fachkunde I | 120 Unterrichtsstunden in 3 Blöcken | Präsenz im Klinikum, höchstens 10 Teilnehmende, neue Termine auf der Kursseite nicht angegeben | Zeugnis und DGSV-Zertifikat | 1.340 Euro inklusive Unterlagen und Prüfung |
Auch andere Kammern bieten Sachkundekurse an. Die Zahnärztekammer Niedersachsen nennt zum Beispiel einen Sachkundelehrgang mit 40 Stunden in Präsenz vom 11. bis 15. November 2027.
Die wichtigste Hürde: 150 Stunden Praxis
Für die Fachkunde I verlangen alle verglichenen Anbieter einen Nachweis über 150 Stunden praktische Arbeit in einer AEMP. Einige fordern weitere 80 Stunden zwischen den Unterrichtsblöcken. Ohne diese Stunden werden Sie nicht zugelassen.
Für Beschäftigte in Zahnarztpraxen kann das eine echte Hürde sein. Klären Sie deshalb vorab mit dem Anbieter, ob Ihre Tätigkeit als Praxisnachweis anerkannt wird.
Der Sachkundekurs der Landeszahnärztekammer Brandenburg setzt dagegen mindestens sechs Monate Tätigkeit in einer Zahnarztpraxis voraus. Das passt deutlich besser zum Alltag im Praxisteam.
Welcher Kurs passt zu Ihnen?
Sie sind ausgebildete ZFA. Die Grundlagen haben Sie in der Ausbildung gelernt. Ein zusätzlicher Kurs kann zur Auffrischung sinnvoll sein. Fragen Sie Ihre Praxisleitung, was für Ihre Praxis gefordert ist.
Sie arbeiten ohne medizinische Ausbildung in der Zahnarztpraxis. Ein Sachkundekurs Ihrer Landeszahnärztekammer ist dann meist die erste Wahl. Er ist kürzer, günstiger und auf die Zahnarztpraxis ausgerichtet.
Sie möchten in die Sterilgutaufbereitung einer Klinik wechseln. Dann ist die Fachkunde I der richtige Lehrgang. Die Akademie im Gesundheitswesen bietet einen ONLINE MIX mit Präsenzwoche an, die Desinfektorenschule Mainz unterrichtet an mehreren Orten in Präsenz.
Für wen passt Care-er besonders?
Care-er bietet keine Kurse zur Sterilgutassistenz an, aber eine berufsbegleitende Umschulung zur ZFA im Blended Learning. Eine der sechs Teilqualifizierungen heißt „Hygiene, Medizinprodukteaufbereitung und Notfallmanagement umsetzen“. Dort geht es unter anderem um Hygienepläne, Aufbereitung, Arbeitsschutz und Strahlenschutz. Sie lernen 3 Tage pro Woche live online mit erfahrenen Fachdozentinnen und Fachdozenten und arbeiten 2 Tage in Ihrer Praxis. Am Ende steht die Externenprüfung vor der Zahnärztekammer Berlin.
- Sie arbeiten ohne Ausbildung in der Zahnarztpraxis: Sie behalten Ihre Stelle. Mit zwei Jahren Erfahrung überspringen Sie die erste Teilqualifizierung.
- Sie sind arbeitslos und möchten in die Zahnarztpraxis: Ein Bildungsgutschein kann die Kosten bis zu 100 % übernehmen. Care-er hilft bei der Suche nach einem Praktikumsbetrieb.
- Sie möchten sich schnell bewerben: Ab Kursstart erhalten Sie ein Teilnahme-Zertifikat für Ihre Bewerbungen.
- Sie haben Familie oder keinen Bildungsträger in der Nähe: Unterricht bundesweit von zu Hause, mit Gleitzeit am Morgen.
Voraussetzung ist ein Mindestalter von 25 Jahren. Das Lernsystem ALIS bietet jedes Thema als Video, Podcast, Text, Mindmap oder Quiz an und passt den Lernweg an Sie an.
Fragen Sie nach Zulassungsvoraussetzungen, Prüfungsgebühren, Mehrwertsteuer und Terminen. Bei Fachkunde-Lehrgängen sollten Sie außerdem schriftlich klären, wer Ihre Praxisstunden bescheinigt.
Förderung
Keiner der verglichenen Fachkunde- und Sachkundekurse nennt auf der Kursseite eine Förderung über den Bildungsgutschein. Fragen Sie bei Interesse Ihre Praxis, ob sie die Kosten übernimmt. Die ZFA-Umschulung bei Care-er ist nach AZAV zugelassen. Hier kann ein Bildungsgutschein die Kosten bis zu 100 % übernehmen. Ob Sie einen erhalten, entscheidet die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter.